Rowing Matters

Aus dem Training eines Freizeit-Ruderers: Ein Blog über Training, Rudertechnik und Ausrüstung.

Bootstrimmen: Messen der Schlaglänge

Ich gebe zu, mich hat das eigentlich alte Thema des Bootstrimmens erneut eingeholt: Dabei geht es um das Verhältnis von Ruderlänge, Innen- und Außenhebel und Dollenabstand. Werte in einer Tabelle ablesen ist das eine. Die Wechselwirkungen zu beachten das andere. Zunächst geht es um die Bestimmung der Schlaglänge – sicherlich eine relevante Größe.

Thilo

4 Minuten

Bestimmung der Schlaglänge an der Dolle.

Weshalb das Ganze?

Ich gehöre nicht zu den Ruderern, die gerne und viel an ihrem Material einstellen und trimmen. Wenn ich bisher Boote eingestellt habe, waren das in der Regel Vereinsboote. Die Einstellung musste also weitgehend „massenkompatibel” sein. Sicherlich habe ich beispielsweise vor einem Langstreckenrennen mal den Innenhebel etwas verlängert. Aber zum täglichen Ruderbetrieb habe ich genommen was da war. Nun habe ich mein eigenes Boot mit meinen eigenen Skulls. Da sieht die Welt schon anders aus. Diese Einstellung muss nur nur mir passen. Aber welche ich die richtige? Es soll nicht bequem sein und sich gut anfühlen - sondern es soll objektiv „richtig” sein.

Ist das Thema nicht durch? Ließ doch einfach nach!

Ja, es gibt viel Literatur zu dem Thema. Als Übungsleiter habe ich natürlich auch schon diverse Lehrgänge dazu gehört. Dabei bekommt man stets die Auswirkungen einer Größe genannt: Ein längerer Innenhebel bedeutet einen leichteren Durchzug, aber auch einen größeren Übergriff. Leider sind die Größen nicht unabhängig. Mir wurde das schlagartig noch einmal ganz deutlich als ich mich bei der Einstellung meiner Skulls peinlich vermessen habe: Die Innenhebel waren viel zu lang. Als Konsequenz musste ich mein Stemmbrett zum Bug stellen – sonst konnte ich nicht ausheben. Also wurde meine Auslage kürzer. Da ich aber weiter bugwärts von der Dolle saß, wurde mein Schlag wohl auch kürzer. Also: mehr Kraft, aber kürzer Schlaglänge. Ist das nun gut oder schlecht?

Und dann das übliche Problem der absoluten Größen: Relative Aussagen sind oftmals einfach zu treffen. Längere Innenhebel fühlen sich weicher an. Längere Snowboards laufen besser geradeaus. Aber was ist denn nun die absolut die richtige Größe? Die übliche Lösungsstrategie ist in einer der zahlreichen Tabellen nachzulesen. Dort sind Wertebereiche angegeben. Und als „educated guess“ nimmt man die Mitte.

Zunächst: die Schlaglänge

Durch Änderung des Dollenabstands ändert man die Schlaglänge. Ebenso bei Änderung des Innen- oder Außenhebels. Als relativ kleiner Ruderer habe ich oft gehört, dass meine Schläge länger sein müssen (um zur Mannschaft zu passen). Anfängern erzählt man das auch oft, da sie ihr Potential nicht nutzen. Die Schlaglänge ist also wichtig – wenn auch nicht die zu optimierende Größe. Dennoch habe ich damit begonnen, meine Schlaglänge zu bestimmen.

Schlaglänge: die Drehung der Dolle beim Schlag

Um die Schlaglänge zu quantifizieren, habe die Drehung der Dolle beim Rudern gemessen. Dazu habe ich mir Stift und Papier an Dolle bzw. Ausleger montiert. An dem Ausleger unter der Dolle habe ich ein Brettchen festgeschraubt, darauf ein Blatt Papier geklebt.

Aufzeichnung der Schlaglänge als Drehung der Dolle.
Aufzeichnung der Schlaglänge als Drehung der Dolle.

An der Dolle habe ich einen Bleistift befestigt. Dieser steckt in einem Röhrchen und wird von eine Kugelschreiber-Feder sanft auf das Papier gedrückt.

Stift zu Montage an der Dolle.
Stift zu Montage an der Dolle.

So wurde die Drehung der Dolle „aufgezeichnet“ und ich konnte den „Schlagwinkel“ mit dem Geodreieck bestimmen.

Schlaglänge: der Weg des Blatts im Wasser

Nun kann man daraus die Wegstrecke $L_{Schlag}$ des Blatts im Wasser bestimmen. Diese hängt schlicht von der Länge des Außenhebels (der Differenz aus Ruderlänge $L_{Ruder}$ und Innehebel $L_{Innenhebel}$) und dem gemessenen Winkel $\alpha_{Schlag}$ ab:

$$L_{Schlag} = (L_{Ruder} - L_{Innenhebel}) \cdot \alpha_{Schlag} \cdot \frac{\pi}{ 180^\circ}$$

Konkrete Werte

Für meine Einstellungen heißt das nun: $$\begin{eqnarray} L_{Schlag} &=& (L_{Ruder} - L_{Innenhebel}) \cdot \alpha_{Schlag} \cdot \frac{\pi}{ 180^\circ}\newline &=& (2,785 m - 0,905 m) \cdot 101^\circ \cdot \frac{\pi}{ 180^\circ} \newline &=& 3,314 m\newline \end{eqnarray}$$

Und nun?

Ok, jetzt kenne für den einen Dollenabstand mit dem einen Innenhebel und der einen Stemmbretteinstellung meine Schlaglänge. Toll, oder? 😉

Ich habe noch einige Ideen wie ich die meine Bootseinstellung quantifizieren und bewerten kann. Aber auch wie ich sie besser bestimmen kann. Wie es ausgeht, weiß ich allerindgs noch nicht. Ich werde berichten.

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Ich rudere nicht nur, ich blogge auch darüber. Wenn ich nicht trainiere, habe ich nichts zu schreiben...