Rowing Matters

Aus dem Training eines Freizeit-Ruderers: Ein Blog über Training, Rudertechnik und Ausrüstung.

Auf der Friesischen Seenplatte im Einer

Über Ostern war ich mit meinem Einer auf der Friesischen Seenplatte in den Niederlanden rudern. Hier nun ein kleiner Reisebricht.

Thilo

5 Minuten

Kanal mit Windmühle in Friesland, Niederlande

Über Ostern war ich mit meinem Einer auf der Friesischen Seenplatte in den Niederlanden rudern. Einerseits war dies eine schöne Wanderfahrt in einem herrlichen Ruderrevier - worüber ich hier berichten möchte. Andererseits war dies auch die erste größere Ausfahrt mit meinem LiteRIVER jenseits meiner Heimat-Reviere. Auch dazu gibt es sicherlich einiges zu berichten: Wie hat sich das Boot geschlagen? Wie verlief der Transport “mit Sack und Pack”? Diesen Aspekten werden ich einen eigenen Artikel widmen. Denn ich vermute, die meisten Leser werden sich entweder für Friesland oder für den LiteRIVER interessieren.

Unterwegs auf der Friesischen Seenplatte

Ausgangspunkt meiner Tagesausflüge war Jutrijp bei Sneek. Mein Boot habe ich dort im Yachthafen untergebracht. Ich durfte es dort in Böcken ablegen. Zum Ab- und Anlegen habe ich die Yacht-Liegeplätze genutzt. Von dort aus bin ich zu Tagesausflügen aufgebrochen.

Seen

Meine Routen habe ich hauptsächlich an den Seen festgemacht. Ich hatte großes Glück mit dem Wetter. Es war nicht nur warm, es gab auch kaum Wind, sodass mir große Wasserflächen keine Sorgen bereiteten. Meine Ziele waren das Sneekermeer und Hegemer Mar. Dabei habe ich auch Langwarder Wielen passiert. De Kûfurd habe ich leider nur gestreift.

Auf den Seen zu rudern hat Spaß gemacht. Andere Ruderer sind mir nicht begegnet. Es scheint, als ob auch die anderen Wassersportler Ruderer nicht gerade gewohnt sind. So haben auch die Segler viel Rücksicht auf mich genommen. Nur auf dem Sneekermeer ist mit eine Segelregatta begegnet, um die ich einen großen Bogen gemacht habe.

Mit meinem Einer auf dem Hegemer Mar
Mit meinem Einer auf dem Hegemer Mar

Orte

Ich bin nur durch Sneek und IJlst gerudert. Heeg und Woudsend habe ich passiert. Einerseits ist es durchaus lustig durch die Kanäle der Ortschaften zu fahren. Es gibt viel zu schauen. Andererseits ist die Orientierung nicht so einfach. Zumindest für mich war es nicht immer ganz einfach den richtigen Weg einzuschlagen. Außerdem gibt es viele Brücken. Als Ruderer ist man glücklicherweise nicht auf Hebe-Brücken angewiesen. Dafür sind einige Brücken durchaus niedrig - damit meine ich wenige Zentimeter über dem Dollenstift. Einige Brücken sind auch durchaus schmal - also so, dass man die Ruder lang machen muss. Und schließlich sind einige Brücken auch relativ lang, also für eine breite Straße gemacht. Wenn es schlecht läuft, muss man also unter einer langen, schmalen und niedrigen Brücke durch. Dann liegt man im Boot, hat die Ruder lang und hofft, dass die Richtung stimmt und der Schwung reicht. Die Richtung kann man durch leichtes Stoppen auf Kosten des Schwungs korrigieren.

In IJlst habe ich einmal den falschen Kanal gewählt - und er wurde immer schmaler. Anfangs war der Kanal noch breiter als die Spannweite meiner Ruder. Doch am Ufer waren immer wieder Motorboote festgemacht. Irgendwann wurde der Kanal noch schmaler. Höhepunkt - oder eher Tiefpunkt - war eine Brücke, vor der ich nicht mal einen richtigen Schlag Schwung holen konnte. Was war ich froh, als ich da wieder raus war.

Also es gehört sicherlich dazu, dass man auch durch den ein oder anderen friesischen Ort rudert und es kann auch Spaß machen. Aber ich persönlich würde es dabei nicht übertreiben.

Kanäle

Die Seen und Orte sind durch Kanäle verbunden. Diese unterscheiden sich in ihrer Breite, ihrem Kurvenreichtum und ihrem Verkehr. Auf größeren Kanälen können einem auch mal Schiffe begegnen. Auf kleineren kurvenreichen Kanälen ist man auch mal mit sich und der Natur allein. Die Ufer sind oft mit Holzbohlen befestigt. Alles in allem reflektieren die Uferbefestigungen die Wellen nicht zu stark, sodass das Wellenaufkommen gut zu bewältigen ist. Ich war nur auf einem Abschnitt von Wellen meiner Begleiter genervt.

Die übrigen Schiffe und Boote sind übrigens sehr langsam unterwegs. Ich war in meinem Einer weder der langsamste noch der schnellste Verkehrsteilnehmer. Die meisten Motorboote sind etwas schneller, aber mir sind keine Raser begegnet.

Einer der vielen Kanäle in Friesland
Einer der vielen Kanäle in Friesland

Gesamteindruck des Ruderns auf der Friesischen Seenplatte

Mir hat der Ausflug großen Spaß gemacht. Natürlich hat das gute Wetter seinen Teil dazu beigetragen. Aber unabhängig davon, hat die Region ihre ruderrischen Vorzüge:

Es gibt viel Wasser und viele Wege, was für viel Abwechslung sorgt. Auch wenn man von einem Ort startet und endet, hat man Abwechslung für mehrere Tage. Dabei kommt man ohne zwischenzeitliche Bootstransporte aus. Da es keine wirkliche Strömung gibt, kann man seine Routen recht unbeschwert planen.

Hinsichtlich des Schiffsverkehrs braucht man sich keine großen Sorgen zu machen. Es sind zwar viele Sportboote unterwegs, aber kaum Berufsschifffahrt. Außerdem ist das Tempo aller Beteiligten sehr gemächlich.

Ich muss zugeben, einen Punkt hatte ich unterschätzt: Orientierung und Navigation waren herausfordernder als erwartet. Schon am ersten Tag bin ich falsch abgebogen, was ich erst nach einigen Kilometern bemerkt habe. Aber auch am dritten Tag hat es mich noch einmal erwischt. Wenn man einen Steuermann hat, der sich auf die Karte konzentrieren kann, ist das sicher weniger problematisch. Ich war alleine und habe gelegentlich (also zu selten) einen Blick auf mein Handy und Google Maps geworfen. Dabei galt es dann, sich auf Karte und Umgebung zu orientieren. In der Zwischenzeit sollte das Boot nirgends anstoßen und andere Boote und Schiffe waren auch noch da.

Ich habe meinen Ausflug nach Friesland auf jeden Fall sehr genossen. Wie sich mein LiteRIVER dabei geschlagen hat, werde ich noch berichten.

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Ich rudere nicht nur, ich blogge auch darüber. Wenn ich nicht trainiere, habe ich nichts zu schreiben...