Rowing Matters

Aus dem Training eines Freizeit-Ruderers: Ein Blog über Training, Rudertechnik und Ausrüstung.

Ein Erfahrungsbericht zu meinen Rudern: Skulls von Concept2 mit Fat2-Blättern

Zum eigenen Boot benötigt man auch eigene Ruder. Hier möchte ich über meine Entscheidungen und Erfahrungen berichten.

Thilo

Lesezeit: 6 Minuten

Meine Ruder von Concept2: Fat2-Blätter, Ultralight, Gummigriffe

Vor zwei Jahren habe ich mir einen LiteRIVER gekauft, um meine sportliche Unabhängigkeit zu verbessern. Nun benötigte ich dazu auch ein Paar Skulls. Letztendlich habe ich mich für Ruder von Concept2 mit Fat2-Blättern entschieden. Inzwischen bin ich damit 4795 km gerudert - höchste Zeit also, darüber zu berichten.

Warum Concept2?

Zunächst habe ich mich für Skulls von Concept2 entschieden. Ebenfalls im Rennen waren Skulls von Croker . Aus meiner Sicht gibt es zwischen den beiden Herstellern zwei bemerkenswerte Unterschiede: Die Form der Manschette und die Materialeigenschaften der Blätter.

Die Manschette

Die Manschette des Ruders liegt in der Dolle und hält den Klemmring. Oft hat die Manschette eine charakteristische Farbe, um den Hersteller des Ruders auf den ersten Blick erkenntlich zu machen: Croker-Manschetten sind pink, Concept2-Manschetten sind grün.

Concept2-Manschetten haben eine Verdickung zwischen den Positionen »Aufgedreht« und »Abgedreht«. Diese spürt man beim Drehen deutlich. Das kann man als gut oder schlecht empfinden - oder sich an daran gewöhnen. Befürworter argumentieren, dass man die korrekte Blatt-Position so sehr präzise spürt - das Blatt »rastet ein«. Gegner empfinden den Widerstand als unangenehm und unnötig.

Ich bin früher hauptsächlich Croker-Skulls gefahren. Da hat mich die Concept2-Verdickung arg gestört. Inzwischen stört sie mich gar nicht mehr.

Also: Die Manschette ist ein deutlich spürbarer Unterschied, der für viele Ruderer von Bedeutung ist. Was nun besser ist, ist aus meiner Sicht subjektiv und individuell verschieden.

Eine Manschette von Concept2: Das Blatt ist abgedreht. Dreht man es nun um 90° im Uhrzeigersinn, überwindet man die untere Verdickung.
Eine Manschette von Concept2: Das Blatt ist abgedreht. Dreht man es nun um 90° im Uhrzeigersinn, überwindet man die untere Verdickung.
Eine Manschette von Croker: Das Blatt ist abgedreht. Im Vergleich zu Concept2 ist diese stärker abgerundet.
Eine Manschette von Croker: Das Blatt ist abgedreht. Im Vergleich zu Concept2 ist diese stärker abgerundet.

Die Blätter

Ich möchte jetzt nicht über das für und wider verschiedener Blattformern sprechen. Aus meiner Sicht gibt es einen Unterschied, den ich ansprechen möchte: Ich schätze, die Blätter von Croker sind robuster und langlebiger als die Blätter von Concept2 . Nach einiger Zeit der Nutzung weisen die Concept2-Blätter oftmals einige Macken auf. Damit möchte ich nicht sagen, dass Croker-Blätter nie kaputt gehen. Aber im Vergleich erscheinen sie mir etwas robuster.

Meine Entscheidung

Ich habe mich für Concept2 entschieden:

  • Ich habe (aktuell) eine leichte Präferenz für die Manschetten und die Bauart von Concept2 .
  • Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Beratung von Concept2 gemacht. Schließlich sollen Blatt, Schaft und Länge zu Ruderer und Boot passen. Das sind sehr viele Freiheitsgrade, die man schlecht alle selbst ausprobieren kann. Da ist eine gute Beratung sehr viel wert.

Meine Ruder: Fat2-Blatt, Ultralight, blaue Griffe

Blatt: Fat2

Zum Zeitpunkt meines Kaufs war das Fat2 die aktuellste, neuste und »beste« Blattform von Concept2 . Also wollte ich diese - ganz einfach.

Schaft: Ultralight

Der Ultralight-Schaft wurde laut Hersteller-Webseite auf Langlebigkeit optimiert. Der Skinny-Schaft wiegt genauso viel. Langlebiger bei gleichem Gewicht: ich wollte den Ultralight-Schaft.

Griffe:

Ich wollte Gummi-Griffe. Vor Jahren haben wir im Vereinsbetrieb eine Reihe verschiedener Griffe ausprobiert und mit den azurblauen Griffen von Concept2 sehr gute Erfahrungen hinsichtlich Abrieb und Langlebigkeit gemacht. Wir hatten anderen Griffe, die im Laufe der Zeit schlicht zerbröselt sind oder Hände und Kleidung verfärbt haben.

Über Griffdicken, Materialien und Formen können viele Ruderer leidenschaftliche Diskussionen führen:

  • Bei der Griffdicke bin ich überzeugt, dass dies reine Geschmackssache und keinesfalls entscheidend ist. Normalerweise hat niemand weder mit einem dünnen noch dicken Griff ein wirkliches Problem.
  • Das Material ist letztendlich ebenfalls Geschmacksache.
    • Holz kann schmierig und rutschig werden, wenn es nass ist. Gleichzeitig schören viele Ruderer darauf - ich habe den Eindruck, dass dies vornehmlich für Wanderruderer gilt.
    • Bei Velour sagt schon der Hersteller, dass dies häufiger ausgetauscht werden muss - das wäre nichts für mich.
    • Gummigriffe bieten für mich ein gutes Verhältnis zwischen Langlebigkeit und Austauschbarkeit. Nach ein paar Jahren kann man sich gut ein neues Paar gönnen, das man dann auch einfach montieren kann (ohne Kleben, Sägen, Feilen usw.).
  • Auch die Griffstruktur ist reine Geschmackssache. Blasen und Schwielen gibt es mit jedem Griff. Regelmäßige Nutzung hilft gegen die gröbsten Wehwehchen.

Die Länge

Es ist mir sehr schwergefallen, mich für eine Länge zu entscheiden. Die Kombination aus Fat2 und Ultralight scheint nicht gängig zu sein. Gleichzeitig habe ich bis dato noch keine Fat2-Blätter gerudert: Da diese Blätter eine größere Fläche haben, wählt man den Schaft deutlich kürzer. Hier habe ich auf die hervorragende Beratung durch Konzept gesetzt. Meine Ruder sind längenverstellbar zwischen 276 und 281 cm. Ich fahre sie meist mit 277 cm Länge (im Einer).

Meine Erfahrung mit den Skulls

Auf den Punkt gebracht: ich bin zufrieden!

Die Fat2-Blätter sind größer als herkömmliche Big Blades oder Smoothies, insbesondere ragen sie weiter nach unten. Ich spüre das beim Ausheben. Nach meiner Einschätzung wird die Bedeutung des sauberen Aushebens von vielen Ruderern und Trainern unterschätzt. Diese Blätter machen es einem nicht einfacher.

Gleichzeitig weiß ich die kürzeren Ruder sehr zu schätzen. Die Ruder sind fast 20 cm kürzer als eines der Paare, die ich vorher regelmäßig gefahren bin. So kommt man beim Ablegen besser vom Steg weg (was im LiteRIVER kein Argument ist). Und bei Engstellen hat man mehr Spiel. Bei meiner letzten Ausfahrt in Friesland wusste ich zu schätzen, nicht noch breiter zu sein.

Meine Blätter haben inzwischen deutliche Gebrauchsspuren. Bei stärkerer Strömung fahre ich oftmals dicht unter Land stromauf. Dabei kommt es ab und zu vor, dass ich auf einen Stein haue - das sieht man. Allerdings haben die Ruder auch schon fast 5000 km hinter sich.

Mein Backbord-Blatt nach fast 5000 km gebrauch.
Mein Backbord-Blatt nach fast 5000 km gebrauch.

Ein nettes Detail: Die Skulls werden mit einem Paar CLAMs geliefert: ein Kunststoff-Clip, den man vor den Klemmring setzten kann. Damit wird der Innenhebel um ca. 1 cm länger und der Außenhebel kürzer. Ich nutze diese, um zwischen LiteRIVER und Renneiner umzuschalten.

Bitte nicht überbewerten!

Zum Schluss muss ich etwas noch sagen: Ich stehe zu allen hier getroffenen Aussagen. Aber bitte, bewertet die Wirkung der Ruder nicht über!

Viele Ruderer haben eine sehr starke Meinung zu Herstellern/Blattformen und -größen/Schäften/Griffen. Ich denke, vieles davon ist reine Geschmackssache und in keinster Weise entscheidend. Ich bin mal zu einer anstehenden Anschaffung mit einem Trainer aneinandergeraten, der unbedingt Velour-Griffe für seine Athleten wollte. Ich glaube nicht, dass jemand ein Rennen aufgrund von Velour-Griffen gewinnt oder verliert.

Croker und Concept2 sind beides zweifelsohne ausgezeichnete Hersteller, die beide zurecht im Spitzensport vertreten sind. Aber auch die anderen Hersteller machen keine schlechten Ruder. Wenn Ihr also über eine Bootsanschaffung nachdenkt und beim Händler Eures Vertrauens einfach ein Paar Skulls dazu kauft, macht Ihr bestimmt keinen Fehler.

Ein weiterer Aspekt: Meine Ausführungen beziehen sich darauf, dass ich genau ein Paar Skulls für mich persönlich erstanden habe. Wenn ich für einen Verein Ruder erstanden habe, waren die Kriterien ganz andere. Hier ist es beispielsweise wichtig, Vierer-Sätze bilden zu können und auch Ersatzteile vorzuhalten.

Offenlegung: Dies ist ein privater Blog, in dem ich meine persönliche, private Meinung ausdrücke. Hier vorgestellte Produkte habe ich mir selbst gekauft und nutze sie privat. Der Artikel ist unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter. Ich erhalte keinerlei finanzielle Anreize durch die Veröffentlichung dieses Artikels.

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